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28.06.2020 Kategorie: Corona, Gemeinde Startseite, Gemeindeleben

#sonntagswort

von Prädikantin Yvonne Uhlig

Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt. Micha 7, 18-20

Das ist keine Frage, sondern eine Aussage der Bewunderung, denke ich. Denn ich weiß, wo ich solch einen Gott finde und der Prophet Micha wusste das auch - 600 Jahre vor Christus schon! Als ich den Prophetentext gelesen habe und nachschlug, welchem Jahr er zugeordnet wird, wurde ich sehr nachdenklich. Wieso wurde sein Wort nicht gehört? Und wenn man ihn gehört und verstanden hätte, ihn wirklich verstanden hätte, wie würde unser Glaube heute aussehen. Und was wäre den gläubigen Menschen erspart geblieben?

Die Gemeinschaft der Gläubigen hat in den seither vergangenen 2600 Jahren viel erlebt. Unterdrückung, Vertreibung, Diktatur des Glaubens, Befreiung des Glaubens unter Luther, Krieg, Frieden, Zerstörung, Aufbau, Untergang und gemeinsamer Aufbruch. Und doch haben viele von uns Glaubenden noch immer nicht das Vertrauen und die Erkenntnis, daß Gott kein strafender Gott ist, sondern ein barmherziger.  In einem Song Xavier Naidoo „Vielleicht“, versucht er sich darin, Antworten zu geben:

„Vielleicht hörn sie nicht hin

Vielleicht sehn sie nicht gut

Vielleicht fehlt ihnen der Sinn

Vielleicht fehlt ihnen Mut“

Die entscheidende Antwort ist für mich, vielleicht fehlt uns der Mut. Der Mut, dazu zu stehen, daß wir Fehler machen. Der Mut, mit diesen Fehlern umzugehen. Wir hätten oft gern jemanden, den wir für unsere Fehler verantwortlich machen können, um auch vor uns selbst und unseren eigenen Ansprüchen bestehen zu können. Und wir haben gelernt, wenn ein Anderer Entscheidungen für uns trifft, sind wir selbst nicht verantwortlich. Aber wenn es schief geht, können wir mit dem Finger auf jemanden verweisen.  Ist es darum für uns so wichtig, daß da jemand ist, der uns unsere Sünden vergibt? Daß da jemand ist, der nicht selbst Mensch ist und selbst Fehler macht, daß ein solcher uns unsere Sünden vergibt?

Ich denke, wir sollten uns darauf besinnen, Gott um seinen Beistand zu bitten, uns zu besinnen, daß er an unserer Seite ist, ein guter Vater und Ratgeber. So beschreiten wir vielleicht Wege, die ein wenig geradliniger verlaufen. Wir müssen uns nicht vor Gott verantworten, sondern vor uns selbst. Jetzt und hier. Die Bitte um Vergebung vor Gott läuft nicht ins Leere, aber unseren Mitmenschen müssen wir in die Augen schauen können. Menschsein ist damit verbunden, Erfahrungen zu sammeln. Und wiederum aus diesen Erfahrungen zu schöpfen, um ein guter Mensch zu werden. Und dazu gehört, sich selbst und anderen zu vergeben.  Mit Toleranz und Barmherzigkeit.

Beitrag von Yvonne Uhlig